Pragmatische Technik aus der Praxis

Proxmox im Alltag. Was wirklich getrennt werden sollte

Proxmox im Alltag. Was wirklich getrennt werden sollte

Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Heimserver kein Spielzeug mehr ist. Am Anfang läuft alles auf einer Maschine. Home Assistant, Nextcloud, Docker, vielleicht noch ein Testsystem. Es funktioniert, also bleibt es so. Bis es nicht mehr funktioniert. Meistens genau dann, wenn man es gerade braucht.

Das Problem ist selten Leistung. Das Problem ist fehlende Trennung.

Die typische Entwicklung

Am Anfang steht ein einzelner Server. Man installiert schnell etwas dazu. Noch ein Container, noch eine VM. Es läuft ja alles stabil. CPU langweilt sich, RAM ist frei, also warum nicht.

Ein paar Monate später sieht die Realität anders aus:

Nextcloud macht ein Update und zieht die Datenbank mit runter. Home Automation reagiert plötzlich verzögert. Backup läuft genau dann, wenn jemand etwas streamen will. Und keiner weiß mehr, welcher Dienst eigentlich warum gerade Last erzeugt.

Nicht weil Proxmox schlecht ist. Sondern weil alles voneinander abhängt.

Die wichtigste Regel

Nicht nach Technik trennen. Nach Auswirkungen trennen.

Das ist der Fehler, den viele machen. Sie trennen nach Software oder nach Lust. Eine VM für Docker, eine für Linux Spielereien, eine für irgendwas mit AI. Das sieht ordentlich aus, bringt aber nichts.

Die richtige Frage lautet immer:

Was darf ausfallen, ohne dass es mich nervt.

Kategorie eins. Dinge die immer laufen müssen

Das sind Systeme, die man im Alltag sofort merkt.

Home Assistant
DNS oder Pi hole
Netzwerkdienste
Monitoring

Wenn diese Dienste stehen bleiben, fühlt sich das ganze Haus kaputt an. Licht reagiert nicht, Internet wirkt langsam, Automationen hängen.

Diese Systeme gehören getrennt von allem, was experimentell ist. Keine Testcontainer daneben. Keine Spielereien.

Kategorie zwei. Daten und Storage

Nextcloud ist das klassische Beispiel. Nicht weil es viel CPU braucht, sondern weil I O alles beeinflusst.

Ein Backup oder großer Upload reicht und plötzlich wird das gesamte System träge. Das merkt man dann an völlig anderen Stellen.

Storage intensive Dienste gehören entweder auf eigene Datenträger oder zumindest in eigene Container mit klaren Limits. CPU ist selten das Problem. Disk Zugriff fast immer.

Kategorie drei. Dinge die nur gelegentlich gebraucht werden

OpenSlides ist ein gutes Beispiel. Läuft vielleicht einmal im Jahr. Währenddessen muss es stabil sein. Dazwischen interessiert es niemanden.

Diese Dienste gehören nicht dauerhaft in die gleiche Umgebung wie kritische Systeme. Entweder eigene VM oder sogar eigener Server, der nur bei Bedarf läuft.

Das spart Ressourcen und reduziert das Risiko, dass ein Update im falschen Moment alles zerlegt.

Was man nicht trennen muss

Hier wird es unpopulär. Nicht jeder Dienst braucht eine eigene VM.

Kleine Webdienste, Tools oder Helfer können problemlos zusammenlaufen, solange sie keine großen Datenmengen bewegen und keine kritische Infrastruktur sind.

Mehr Trennung bedeutet auch mehr Wartung. Mehr Updates, mehr Backups, mehr Fehlerquellen.

Isolation ist kein Selbstzweck.

Der eigentliche Fehler

Viele bauen ihre Proxmox Struktur so auf, wie sie denken dass es professionell aussieht. Viele kleine Maschinen, viele Namen, viel Ordnung.

Im Alltag zählt etwas anderes. Vorhersehbarkeit.

Wenn ein Testsystem abstürzt, darf nichts anderes betroffen sein. Wenn ein Backup läuft, darf das Licht trotzdem angehen. Wenn ein Update schiefgeht, darf nicht das gesamte Setup stehen.

Was ich heute anders mache

Erst überlegen, welche Systeme kritisch sind. Danach erst installieren.

Heute gibt es bei mir drei klare Ebenen:

Basisdienste, die immer laufen müssen.
Daten und Storage getrennt davon.
Alles Experimentelle isoliert.

Das Ergebnis ist weniger spektakulär, aber deutlich entspannter. Und genau das ist der Punkt. Infrastruktur soll langweilig sein. Wenn sie auffällt, läuft etwas falsch.

Proxmox ist kein Selbstzweck. Es ist nur das Werkzeug, um Chaos voneinander fernzuhalten.

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